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Geschichte des Instituts

Welfenschloss
Welfenschloss
Gebäude der Chemie
Gebäude der Chemie

1831

Bereits 1831 wurde in Hannover die Höhere Gewerbeschule unter Vorsitz von Karl Karmarsch, der Vorläufer der heutigen Universität, gegründet. Das Welfenschlosses dient seit 1879 als Hauptgebäude.
Seit dem Sommersemester 1894 wurde an der Königlich (Preußischen) Technischen Hochschule zu Hannover erstmals das Studium Elektrochemie angeboten.
Zu dieser Zeit fand dieser Zweig bereits Anwendung in der Industrie. Das Wort Elektrochemie war daher wie geschaffen für die damals aufblühende Elektro- technische und Chemische Industrie.
Die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und die damit verbundenen Forderungen nach Instituten und Stellen führten zur Gründung des PCI.

1908

Max Bodenstein
Max Bodenstein

1908 wurde Dr. Max Bodenstein für das neu geschaffene Ordinat für Elektrochemie an die TH gerufen, wo er auch 1911 die Professur für physikalische Chemie übernahm.

Prof. Bodenstein befasste sich in seiner Forschung vornehmlich mit Reaktionen des Chlorknallgases. Weitere Gebiete waren:

  • die Dissoziation hydratisierter Schwefelsäure und des Ammoniaks
  • die Reaktionen der Stickoxide
  • die photochemische Polymerisation von Anthracen
  • die Diffusion von kathodischem Wasserstoff durch Eisen und Platin
  • die physikalisch-chemischen Grundlagen der hüttentechnischen Zinkgewinnung

um nur einige zu nennen.

Besondere Beachtung genießt aber auch seine Mitarbeit in der deutschen Atomgewichtskomission.

1923 folgte Bodenstein einem Ruf an die Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin.

1909

Friedrich Bergius
Friedrich Bergius

In der Zeit von 1909 bis 1919 forschte auch Friedrich Bergius im Institut. Entscheidend für seine Arbeiten waren die 1911 ausgeführten Hochdruck- Versuche zur Umsetzung von Kohle mit Wasserstoff. Damit begannen seine Arbeiten zur Kohlehydrierung, die 1913 zum Erfolg führten. Zusammen mit der TH. Goldschmidt AG in Essen wurden die Laborversuche auf technische Versuchs- anlagen übertragen.
1925 erwarb Carl Bosch von der BASF die Patentrechte am Bergiusverfahren.
Die wissenschaftliche Anerkennung für seine Forschung erhielt Bergius zusammen mit Bosch 1931 bei der Verleihung des Nobelpreises für Chemie.

1924

Hermann Braune
Hermann Braune

Hermann Braune wurde vertretungsweise zum Nachfolger von Bodenstein ernannt. Als er 1924 die Professur übernahm, wurde er damit automatisch auch Leiter des Elektrochemischen Institutes. 1930 wurde der von Prof. Braune inititierte Neubau des Institutes bezogen. Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Themen gehörten unter anderem:

  • die Ramanspektroskopie,
  • die Elektronenbeugung sowie
  • Messungen von Dipolmomenten.


Zusammen mit seinem Assistenten Fritz Strassmann arbeitete er an der Löslichkeit von Jod in CO2. Diese Arbeit bildet die Grundlage für die z. Z. weltweit intensive Forschung auf dem Gebiet der Thermodynamik bei überkritischen und nahekritischen Lösungsmitteln.
1955 wurde Prof. Braune emeritiert.

1926

Fritz Strassmann
Fritz Strassmann

Zur Zeit Braunes arbeitete auch Fritz Strassmann am Institut. Sein Forschungsgebiet war die Sättigungsdampfkonzentra- tion, die unter Zuhilfenahme von komprimierten nicht idealen Gasen erreicht werden konnte. Die darauf basierende Dissertation war Ausgangspunkt für spätere wichtige technische Entwicklungen. Aufgrund der Kenntnis der Dampfdichte des Schwefels konnte der sogenannte Claus-Prozess optimiert werden.
Strassmann wechselte 1929 jedoch zum Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin, wo er maßgeblich zusammen mit Otto Hahn und Lise Meitner an der Aufklärung der Kernspaltung beteiligt war.

 

1930

Friedrich Wilhelm Jost
Friedrich Wilhelm Jost

Der zweite Forscher in dieser Zeit war Friedrich Wilhelm Jost, der unter Braune auch habilitierte. Jost war der klassische Physikochemiker. Er wendete die allgemeinen physikalischen Gesetze auf die komplexen Situationen der Chemie an und gewann so Leitlinien für sinnvolle Experimente. Im hannoverschen Institut befasste er sich vornehmlich

  • Festkörperreaktionen
  • dem diffusiven Transport im Kristall sowie
  • photochemischen Reaktionen im Bromwasserstoff.

 

Daneben begann er mit der Erforschung der kinetischen Probleme bei schnell verlaufenden Reaktionen, welche z.B. auch die Verbrennungsprozesse von Kohlenwasserstoffen beinhalten.

1937 verließ Jost Hannover, um dem Ruf eines außerordentlichen Professors nach Leipzig zu folgen.

1945

Hannover Innenstadt 1944
Hannover Innenstadt 1944

Im Oktober / November 1943 fiel der von Prof. Braune initiierte vorbildliche Neubau des Physikalisch Chemischen Instituts den Bomben zum Opfer. Nur die Laboratorien im Keller waren noch für wissenschaftliche Arbeiten verwendbar. Daher zog das gesamte Institut nach Hilkerode in eine stillgelegte Zigarettenfabrik um. Noch im Jahre 1945 wurden die ausgelagerten Geräte zurückgebracht.
Dank der Aufräumarbeiten der Studenten der unteren Semester war bereits 1947 wieder ein geordneter Praktikumsbetrieb möglich.

1955

Rudolf Suhrmann
Rudolf Suhrmann

Rudolf Suhrmann übernahm 1955 als Nachfolger Braunes den Lehrstuhl für Physikalische Chemie der TU Hannover. Er war nicht nur ein unermüdlicher Forscher, sondern auch ein gewissenhafter Lehrer. So ist neben seinen umfangreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch das Lehrbuch „ Physikalisch-Chemische Praktikumsaufgaben" erschienen. Auf Grund der katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Krieg mussten die Forschungen mit veralteten Instrumenten durchgeführt werden. Als sich die Lage Ende der 50er Jahre besserte, brachte Suhrmann den Geräte- park auf den neuesten Stand. So konnte das Institut von der stürmischen Entwicklung in der Gerätetechnik profitieren. Neue Laboratorien entstanden im Obergeschoss und in dem früheren Anbau für die Angestelltenwohnungen. Zahlreiche Auszeichnungen krönten seinen Lebensweg bis zu seiner Emeritierung 1960.

1964

Robert Haul
Robert Haul

1964 trat Robert Haul in Suhrmanns Fußtapfen. Ende der 60er Jahre veranlasste er eine Erweiterung des Lehrkörpers im Bereich Chemie. Dies hatte die Trennung des Lehrstuhls in A (Clusterchemie) und B (Festkörperchemie) zur Folge. Haul selber behielt den Lehrstuhl A inne, wobei er sich zusammen mit seinen Schülern mit weiteren Problematiken der Festkörperforschung befasste. Neben den katalytischen Prozessen und der Reaktion von Atomen auf Festkörper- oberflächen von Oxiden, wurde auch der Bereich der Adsorp- tionskinetik behandelt.
Prof. Haul emeritierte im Jahre 1978.

1968

Gerhard Ertl
Gerhard Ertl

Den Lehrstuhl B übernahm 1968 Gerhard Ertl. Seine in Hannover durchgeführten Arbeiten bezogen sich vornehmlich auf Adsorption und katalytischer Reaktion kleiner Moleküle an Metall-Einkristalloberflächen. Seit 1986 ist Ertl Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin.
Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden mit dem Nobelpreis 2007 für Chemie ausgezeichnet.